Internetarchäologie – Die Sicht eines Archäologen auf unsere Gesellschaft

 

Wie würde uns wohl ein Archäologe in 100 Jahren rekonstruieren?

Er würde wahrscheinlich erst mal auf die typischen Klischees im Internet des 21. Jahrhunderts eingehen. Wie ihr wahrscheinlich schon mitbekommen haben werdet, sind heutzutage Katzenvideos, Failvideos, Beauty Tutorials, Duckfaces oder Fitnessbilder voll im Trend. Doch wie würde das ein Archäologe in der Zukunft interpretieren? Ich denke, er würde uns als eine verrückte Gesellschaft ansehen, die anscheinend alles dokumentieren und veröffentlichen muss. Wir wären für ihn eine Gesellschaft, die sehr sportlich und modebewusst ist – aber auch sehr viel von sich preisgibt und nicht viel vom Datenschutz hält. Er würde uns als multimedial vernetzte Individuen sehen, die in einer Flut von Informationen lebt und diese dabei nicht einmal ordentlich verarbeiten kann. Ich denke sogar, dass er es sehr kritisch betrachten würde, dass wir unsere Privatsphäre auf Social-Media-Plattformen freigeben, die unsere Daten nutzen und sogar zum Verkauf zur Verfügung stellen. Doch im Allgemeinen denke ich, dass wir für ihn eine vergangene Kultur wären, die zwar viel offenbart und viel von ihrer Privatsphäre abtritt, jedoch auch sehr interessiert und sozial ist. Ich weiß nicht, wie ihr das seht, aber das wäre meine ungefähre Vorstellung davon, wie uns ein Archäologe in 100 Jahren rekonstruieren könnte. Vielleicht kommt auch alles ganz anders, wer weiß, lassen wir uns einfach mal alle überraschen.

Text: Nadine Gefeller

Zukunftsorientierte Internetarchäologie!?

Dank der voranschreitenden Digitalisierung der westlichen Welt wird es dem heutigen Durchschnittsbürger/der heutigen Durchschnittsbürgerin ermöglicht, den Alltag mit neusten Technologien zu verbessern. Dabei befindet sich dieser Vorgang in einer ständigen Weiterentwicklung, der alle vorherigen Jahrzehnte der Internetnutzung des sog. Web 1.0 in den Schatten stellt.

Durch interaktive Plattformen, wie Social Media im Web 2.0, ändert sich die Position des Nutzers vom Beobachter zum Akteur. Jeder Einzelne kann aktiv das Internet und dessen Inhalte mitgestalten. Immer mehr Gegenstände bekommen Schnittstellen, das „Internet der Dinge“ ist keine Zukunftsmusik mehr, sondern steht in den Startlöchern. Dabei werden mehr oder weniger bewusst oder unbewusst persönliche Daten preisgegeben und auf unterschiedlichste Weise weitergeleitet. Die daraus entstehenden utopischen Datenmengen, sog. Big Data, werden häufig von Behörden oder Unternehmen verwendet. Diese erstellen anhand der Daten ein detailliertes Benutzerprofil und passen ihre Angebote den Bedürfnissen der Bürger und Bürgerinnen an. Dies geschieht allerdings nicht nur zum Vorteil eines jeden Menschen. Stattdessen verwenden die Unternehmen die Informationen dazu, ihren eigenen Profit zu steigern. Außerdem überwachen die Behörden das Privatleben der Bürger und Bürgerinnen mithilfe dieser Daten.

Dabei stellt sich uns die Frage, wie unsere hinterlassenen Spuren im Internet von der nächsten oder übernächsten Generation ermittelt werden. Was werden die „Internetarchäologen“ der Zukunft über uns herausfinden? Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden sie feststellen?

Wie stark wird das Web 3.0 unseren Alltag bestimmen? Welche Möglichkeiten werden sich auftun? Welche Nachteile werden sich aufzeigen? Gibt es überhaupt noch eine Privatsphäre oder werden wir allesamt endgültig zu gläsernen Menschen?

Um diese Fragen beantworten zu können, wollen wir uns mithilfe dieses Blogs auf ein kleines Gedankenspiel einlassen. Hierbei beschäftigen wir uns mit den Fragen, was im Internet hinterlassen wurde, was wir hinterlassen wollen und was wir eventuell hinterlassen werden.

Dabei nehmen wir uns allerdings heraus, einige Fragen unbeantwortet zu lassen, damit jeder sich selbst einen eigenen Standpunkt zu diesen Themen bilden kann.

Text: Lisa Binder