Internet im Wandel

Was war, was ist, …

Was versteht man unter Web 1.0, was ist Web 2.0 und sind das überhaupt nur inhaltsleere Marketing-Begriffe oder gibt es wirklich eine Zäsur in der noch jungen Geschichte des Internets?

Abrufmedium“ – eine Bezeichnung für das Web 1.0, die mir außerordentlich gut gefällt und es in meinen Augen treffend beschreibt. Von den Anfängen des World Wide Webs bis in die frühen 2000er Jahre wird das Web zwar auch schon für E-Mails und Chats, sprich zu Kommunikationszwecken, genutzt, aber was die Inhalte betrifft, ist es vor allem von statischen Seiten geprägt, die oftmals nicht mehr Gehalt als eine Broschüre bieten. Ein Beispiel ist diese Seite, welche inhaltlich für Fans und Interessierte sicherlich spannend ist, aber eben auch seit 1996 unverändert existiert. Gleichzeitig stellt dieses Warnerbros-Projekt auch schönes Anschauungsmaterial für eine Art Marketing-Instrument von vor über 20 Jahren dar. Neben solchen inhaltlich klar definierten Adressen, kursierte bereits damals auch ein großer Haufen skurriler Mist durchs Netz. Es gab unzählige Seiten, die einzig mit verrückten GIFs und Bildern die Lachmuskeln ihrer Besucher zu reizen wussten. Last but not least und kaum verwunderlich: Auch die Anfänge des Internets boten schon reichlich pornographisches Material. Zwar ist das Aufkommen in keiner Weise vergleichbar mit dem heutigen, aber „the internet is made for porn“ galt auch schon vor über 20 Jahren. Unnützes Wissen dazu: Rund 35% Prozent der heutigen Internetinhalte bestehen aus pornographischen Angeboten.

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Foto: http://www.warnerbros.com/archive/spacejam/movie/jam.htm

Anfang des 21. Jahrhunderts fand eine Entwicklung statt, die inzwischen wahnsinnige Ausmaße angenommen hat und retrospektiv als der Startschuss für Web 2.0 gesehen wird. Das Internet wurde interaktiv! Plattformen wie Youtube, Wikipedia, Flickr, Myspace, WordPress, Xing uvm. entstanden, sodass immer mehr Interaktion, Kommunikation und auch Zusammenarbeit im Netz stattfand. Der einfache Internetnutzer war nicht mehr nur Konsument, sondern jetzt auch Produzent von Web-Inhalten. Die daraus entstandene Wortschöpfung „Prosument“ (eng. Prosumer) soll diesem Wandel Rechnung tragen. Inzwischen gibt es eine Unmenge an Blogs und jeden Tag kommen mehrere tausend neue hinzu. Im Jahr 2013 wurden pro Minute 300 Stunden Videomaterial auf Youtube hochgeladen, Facebook verzeichnet inzwischen über 1,5 Milliarden aktive Accounts. Studenten organisieren ihr Studium an vielen Unis zu großen Teilen über Plattformen wie Moodle, wo nicht nur Materialien verteilt werden, sondern auch miteinander agiert und kommuniziert werden kann. Allein in Deutschland gibt es über 150.000 Menschen, die schon mehr als 10 Artikel auf Wikipedia verfasst haben. Kluge Köpfe und Wissenschaftler von überall auf der Welt bilden Netzwerke und potenzieren auf diese Weise ihr Wissen.

Tim O’Reilly – Autor, Softwareentwickler und Verleger – welcher den Begriff des Web 2.0 maßgeblich geprägt hat, nannte es eine „Nutzbarmachung der kollektiven Intelligenz“. Das Internet ist mehr als ein reines Unterhaltungsmedium. Es ist eine massive Wissensdatenbank, die zu nahezu jedem Thema Informationen und Inhalte bietet, eine riesige global vernetzte Bibliothek, vollgestopft mit Wissen. Viele Menschen fragen im Falle von Krankheitssymptomen lieber Dr. Online als direkt zum Arzt zu gehen. Schüler ziehen sich ihre Hausaufgaben aus dem Netz und wie wir unser Handy reparieren, leckere Kuchen backen oder uns die Haare stylen lernen wir auf Youtube.

Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Im Zusammenhang mit Web 2.0 muss man auch immer die technische Entwicklung betrachten. Das Internet hätte sich ohne rein technische Neuerungen sicherlich nicht so rasant entwickelt. Umgekehrt wäre die Innovationskraft nicht so groß gewesen, hätte der Bedarf nicht existiert. Die Entwicklung von ISDN ermöglichte nicht nur schnellere Übertragungen und somit aufwendigere Web-Inhalte, sondern bot auch den Komfort, über den selben Anschluss zeitgleich telefonieren und surfen zu können – eine wahre Erleichterung. Seither hat sich die potentielle Übertragungsgeschwindigkeit, bedingt durch DSL, stetig erhöht. Wenn wir heute 100 Mbit/s als rasend empfinden, ist schon längst klar, dass dies in einigen Jahren kein Maßstab mehr ist. Die heutige Technik jedenfalls erlaubt noch enorme Steigerungen.

Eines wird unter Berücksichtigung der Ausgangsfrage deutlich: Das Internet stellt sich für uns anders dar, als es das vor 15 Jahren noch tat. Wir Menschen neigen dazu, Geschehnisse in Epochen oder Phasen einzuteilen und ich halte das der Einfachheit halber auch bei der Entwicklung des Internets für durchaus sinnvoll, trotz dessen ich kein Freund starrer Grenzen bin. Ich glaube, dass die Professionalisierung des Internets nur natürlich ist, ganz so, wie es bei den meisten neuen Dingen der Fall ist. Unsere Welt obliegt Veränderungen und das Internet ist noch immer ein sehr junges Medium, welches im vergangenen Jahrzehnt stark von den Weiterentwicklungen auf technischer Seite profitiert hat. Andersherum hat es diese Entwicklung eben auch vorangetrieben. Ich halte eine Einteilung in verschiedene Phasen insbesondere unter einem historischen Aspekt für gerechtfertigt und wichtig. Zum kritischen Umgang mit Medien gehört auch, dass man weiß, wo man herkommt. Die Geschichte lehrt uns, dass man sich darüber stets im Klaren sein sollte.

Eines ist gewiss: Spätestens in 15 Jahren kann ich einen ähnlichen Text erneut verfassen, dann jedoch Web 2.0 und Web 3.0 gegenüberstellend. Truman Capote, Schriftsteller und Schauspieler, sagte schon – und das gilt heute noch umso mehr: „Heute ist die Utopie vom Vormittag die Wirklichkeit vom Nachmittag.‘‘

Text: Eike Gosch

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Was war, was sein wird …

Die Geschichte des Internets ist noch jung, doch die Anfänge liegen früher, als man denken mag. Nachdem die Sowjetunion 1957 mit dem Projekt Sputnik den Beginn der Raumfahrt einläutete, gab es in den, ob des technischen Fortschritts des Feindes, unter Schock stehenden USA die Bestrebung, mit aller Kraft die eigene Entwicklung voranzutreiben. Ohne näher ins Detail gehen zu wollen, ist die Erfindung des Internets eine direkte Folge der Gründung der ARPA (Advanced Research Projects Agency) und der daraus hervorgegangenen Organisationen und Projekte. Viele Jahre später folgten das bereits in einem anderen Artikel beschriebene Web 1.0 und Anfang der 2000er Jahre schließlich der Übergang ins Web 2.0.

Soviel zum „Was war“ und „Was ist“. Doch was verspricht die Zukunft? Worauf müssen wir uns gefasst machen? Werden wir noch mehr zum gläsernen Menschen, als wir es schon sind? Wie wird zukünftig mit geistigem Eigentum umgegangen? Seit einigen Jahren geistert ein Wort umher, welches den Trend der kommenden Jahre zusammenfast: Smart. Smart Home, Smartwatch, Smartphone, Smart-TV und so weiter. Smart, also schlau, clever, intelligent soll unsere Umwelt werden. Auf der IFA waren „Smart Objects“ in den letzten zwei Jahren der Trend schlechthin. Smartphones sind in ihrer Entwicklung bereits weit fortgeschritten und erfassen längst riesige Datenmengen zu ihren Benutzern – sofern man sich dagegen nicht bewusst schützt. Das Internet der Dinge ist schon längst nicht mehr Zukunftsmusik.

Derzeit wird versucht, so viele Haushaltsgegenstände wie möglich miteinander zu vernetzen. Die Heizung/Klimaanlage soll wissen, wann ich von der Arbeit losfahre und entsprechend die Wohnung auf meine Wunschtemperatur bringen, der Backofen heizt schon vor und wenn gar keine Tiefkühlpizza mehr vorrätig ist, schickt der Gefrierschrank mir eine Mitteilung aufs Handy, sodass ich auf dem Heimweg noch beim Supermarkt vorbeischauen kann. Dieses Szenario lässt sich immer weiterspinnen. Weitere einzubindende Haushaltsgeräte wären die Spül- und Waschmaschine, die Badewanne, elektrische Tür- und Fensteröffner und viele weitere.

Bei allem Komfort und Alltags-Erleichterung, die dieser Wandel mit sich bringt, bestehen auch Gefahren. Natürlich ist es toll, per Überwachungskamera permanent mein Zuhause im Auge zu haben, weil die Aufnahmen von überall abrufbar sind. Doch was passiert, wenn diese Daten in die falschen Hände gelangen? Das muss nicht der böse Konzern sein, der in seinen AGB verankert hat sämtliche Daten für seine Zwecke nutzen zu dürfen, sondern kann ebenso gut durch Datenbankfehler oder gar Hackerangriffe geschehen. Bildmaterial ist natürlich ein sehr drastisches Beispiel, das wohl jeden Betroffenen stören würde. Anders scheint es oft bei Bewegungsprofilen oder Daten zum Kaufverhalten, die vermutlich so abstrakt sind, dass viele Leute damit schlicht nichts anfangen können und auch gar nicht die Muße haben, sich mit derlei Dingen zu befassen. Den Unternehmen ist es recht, denn für sie ist solch Wissen wie bare Münze.

Nachdem wir uns nun tagelang intensiv mit dem Thema Internet auseinandergesetzt haben, hat sich jeder ein eigenes Bild von der Zukunft des Internets gemacht.

Text: Eike Gosch